
„In zweifelhaften Fällen entscheide man sich für das Richtige.“
Karl Kraus
...aber wie – in Zeiten, in denen mindestens gefühlt alles komplexer und unsicherer wird?
Im öffentlichen Bereich gibt es Ethikkommissionen, die eine wertefundierte Entscheidung auf der Grundlage aller vorliegenden Fakten vorbereitend unterstützen. In der Wirtschaft setzen Unternehmen zunehmend mehr auf Wirtschafts- und Unternehmensethik. Als Privatmensch kann man sich z.B. an eine Philosophische Lebensberatung wenden.
Wäre es aber nicht viel besser, jeder Mensch wäre aus sich heraus in der Lage, auf der Basis akzeptierter Werte, Stellung beziehen zu können, agieren zu können, ohne für all die im eigenen Leben anstehenden Entscheidungen immer auf außerhalb von einem selbst befindliche Institutionen angewiesen zu sein? Junge Menschen dazu zu befähigen, dieses Ziel verfolgt der Ethikunterricht. Dazu nötig ist die Ausbildung einer ethischen Grundorientierung sowie einer sittlichen Stabilität und Orientierung.
Wie kann das im Fachunterricht geschehen? Hier gibt es nur eine Antwort: Durch Vielfalt!
Vielfalt ist schon durch die Schüler gegeben, die sich im Unterricht einfinden und deren individueller kultureller und religiöser Hintergrund für alle nutzbar gemacht werden kann. Vielfalt bietet aber auch der Lehrplan, der nahezu jeden Lebensbereich abdeckt und von den Schülern eine Auseinandersetzung sowohl mit dem unmittelbaren gesellschaftlichen Lebensumfeld als auch mit Philosophie, den Religionen, Psychologie, Kommunikationstheorie und den aktuellen Ergebnissen der Naturwissenschaften fordert. Vielfalt findet sich aber auch im Herangehen an die Themen. So ist die Basis des Unterrichts die Diskussion auf der Grundlage erarbeiteten Wissens. Projektarbeit, die fachübergreifende Zusammenarbeit mit Religion und der Sozialpädagogin Frau Bendel und das Einbeziehen von außerschulischen Experten (z.B. Polizei bei den Themen „Cybermobbing“ oder „Gewaltprävention“) sind ebenso selbstverständlicher Teil der täglichen Arbeit. Auch Exkursionen gehören in dieses Feld, so z.B. in das Zen-Buddhistische Zentrum „Bodaisan Shoboji“ nach Dinkelscherben, wo Schüler in Herrn Genpo Döring einen kompetenten und offenen Ansprechpartner im interreligiösen Dialog vorfinden. Besonders spannend finden Schüler immer wieder den Ansatz, jahrgangsstufenübergreifend zu arbeiten, z.B. wenn Oberstufenschüler ein Thema so aufbereiten, dass sie es dann einer Unterstufenklasse näherbringen können und mit den Jüngeren in intensive Diskussionen eintauchen. Nicht zuletzt initiieren Ethikgruppen als sichtbare Verbindung des Unterrichts zur sogenannten „realen Welt“ z.B. Spendenaktionen bei aktuellen Anlässen.
Junge Menschen lernen auf diese Weise, Verantwortung zu übernehmen, Zielkonflikte zu erkennen und Entscheidungen auf der Grundlage verschiedener relevanter Fakten zu treffen, die Annäherung an zunächst Fremdes nicht zu scheuen, neugierig in den Austausch zu gehen und ihre eigene Meinung zu bilden. Damit erwerben sie Kompetenzen, die sowohl als Privatperson als auch im Arbeitsfeld zunehmend mehr gefragt sind.
Stellungnahmen zum Fach von Schülern:
Ich vergleiche Ethik mit der Kunst. Das heißt ich sehe Ethik als eine "bunte Farbpalette", da Ethik sich z.B. nicht auf eine bestimmte Religion bezieht oder auf ein bestimmtes Land, sondern unterschiedliche Menschen miteinbezieht, ohne dass Religion, Herkunft, Bildung, soziale Stellung usw. eine Rolle spielen. Und wie bei jeder Kunst, muss das Bild am Ende gelingen, und mithilfe von Ethik sollte der Mensch es am Ende schaffen, moralisch zu handeln.“
Susanne Gorcks