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Der folgende Text stammt (leicht modifiziert) aus dem gemeinsamen Informationsblatt  der Fachschaften Französisch und Latein:

  • In der sechsten Jahrgangsstufe beginnt der Unterricht in der zweiten Pflicht-Fremdsprache. Die Entscheidung für die Teilnahme am Unterricht in Französisch oder Latein ist am Ende der fünften Jahrgangsstufe zu treffen. Die schulische Arbeit der folgenden Jahre wird von dieser Wahl zwischen zwei Fremdsprachen entscheidend geprägt.
    Gleich, ob sich die Schüler für Latein oder Französisch entscheiden, die spätere Wahl der Ausbildungsrichtung am Jakob-Fugger-Gymnasium (naturwissenschaftlich-technologisch oder wirtschafts- und sozialwissenschaftlich) wird dadurch nicht berührt, die spätere Entscheidungssituation bleibt also offen. Bei Schulwechsel lässt nur Latein als 2. Fremdsprache die Wahl zur sprachlichen Ausbildungsrichtung offen.
    Bevor aber die beiden Sprachen in eigener Sache zu Wort kommen, möchten wir Sie über einige grundlegende Dinge informieren.
  • Die Fachschaften Französisch und Latein am JFG erkennen den Wert der jeweils anderen Sprache in vollem Umfang an.
    Der Begriff „Wert“ meint nicht nur den Bildungswert im Sinne einer unspezifischen Allgemeinbildung, sondern auch den Wert für das spätere berufliche und ökonomische Fortkommen der uns anvertrauten Schüler. Ob und in welchem Umfang dieser Wert realisiert wird, hängt vom individuellen Lebensweg eines jeden einzelnen ab und ist daher von einer Vielzahl Faktoren abhängig, die sich bei einem 11- oder 12-jährigen Schüler kaum abschätzen lassen.
    Beiden Fachschaften ist es daher ein Anliegen, dass die jeweils für die eine oder andere Sprache geeigneten Schüler auch tatsächlich diese Sprache wählen, für die sie eher geeignet sind.
  • In diesem Zusammenhang sind sich die Fachschaften einig, dass es einige „falsche Freunde“ unter den Entscheidungskriterien gibt:
    • Es ist nicht sinnvoll, sich einer bestimmten Strömung oder Tendenz anzuschließen. Jeder muss seine Entscheidung individuell treffen. Die Frage nach der Zusammensetzung bzw. Neubildung von Klassen ist ein nicht vorhersagbares Glücksspiel.
    • Auch individuelle Freundschaften erweisen sich oft als zu kurzlebig für eine so weitreichende Entscheidung.
    • Beide Fremdsprachen erfordern ein hohes Maß an Einsatzbereitschaft, wenn sie wirklich erlernt werden sollen. Das Schielen nach „günstigeren Konditionen“ fördert ein Selbstbild des Schülers, das besagt, dass er den Anforderungen im Grunde nicht gewachsen ist. Beide Fachschaften sehen eine solche Grundhaltung als problematisch an, zumal sich daraus eine Erwartungshaltung seitens der Schüler ergibt, dass dieser niedrigere Anspruch auch einzulösen ist.

Argumente, die für Latein als zweite Fremdsprache sprechen
Latein bildet die Basis von insgesamt neun romanischen Sprachen, unter denen insbesondere das Französische, das Spanische (Mittel- und Südamerika), das Portugiesische (Brasilien), das Italienische sowie das Rumänische (Osterweiterung der EU) hervorzuheben sind. Die lateinische Sprache vermittelt dem Schüler im Bereich der grammatischen Strukturen und des Wortschatzes die Grundlagen zum Erlernen einer umfangreichen Sprachengruppe und befähigt ihn zu einer vergleichsweise schnelleren Aneignung dieser Sprachen verbunden mit einem tiefergehenden Verständnis für ihre Systematik.
Außerdem sind die Hälfte aller englischen Vokabeln sowie wichtige grammatische Strukturen der englischen Sprache lateinischen Ursprungs. Englisch ist die Sprache der modernen Technologien. Die meisten technischen Ausdrücke lassen sich aus dem Lateinischen herleiten.
Ganz besonders sei darauf hingewiesen, dass durch die Systematik der lateinischen Grammatik auch ein Gerüst für die Muttersprache Deutsch vermittelt wird und dass durch die Übersetzung lateinischer Texte die muttersprachliche Kompetenz gesteigert werden kann, sei es in Wortwahl, Satzbau, Zeichensetzung oder Stilistik.
Es ist daher kein Zufall, wenn jedes Jahr Gymnasien mit Latein als erster Fremdsprache im  Deutschtest signifikant besser abschneiden als andere Schulen. (Über 30 L1-Schulen unter den 50 besten, obwohl diese nur ca. 15% Anteil an allen Gymnasien haben!!)
Das impliziert auch, dass die Entscheidung für Latein keine Entscheidung gegen eine moderne Fremdsprache darstellt, sondern einer Sprache den Vorzug gibt, die den idealen Ausgangspunkt für das Erlernen von Basisfähigkeiten im sprachlichen Bereich allgemein bildet und die damit die ideale Voraussetzung für das Erlernen weiterer Fremdsprachen bildet.
Dies sollte nicht zuletzt in einer Zeit berücksichtigt werden, in der Europa immer stärker zusammenwächst und umfangreiche Fremdsprachenkenntnisse sowie Flexibilität beim Erwerb weiterer Sprachen gefordert sind.
In diesem Zusammenhang darf nicht übersehen werden, dass die lateinische Sprache als Trägerin und Vermittlerin antiker Philosophie und der Kultur des christlichen Abendlandes diente und dient, auf welchen bekanntlich wesentliche Elemente unserer heutigen europäischen Kultur beruhen.
Der Blick in die „Kulturtiefe“ ermöglicht den Blick über einen oft kurzlebigen gegenwärtigen Trend-Horizont. Bis weit in die Neuzeit hinein war Latein die Sprache der Wissenschaft. Dies trifft in freilich begrenztem Maße auch auf die Moderne zu. Jede Wissenschaft bedient sich auch heute noch mit großer Selbstverständlichkeit ihrer Fachsprache. Man denke insbesondere an die Fachterminologie im Bereich der Naturwissenschaften, der Technik, Medizin und Pharmazie, von den Geisteswissenschaften einmal ganz abgesehen. Diese Fachterminologie rekrutiert sich auch heute noch zu mehr oder weniger 100% aus den alten Sprachen!!
Viele neu entstandene Begriffe, wie etwa „Videorecorder“, „Aquaplaning“, „Medien“ etc. lassen sich mühelos aus lateinischen Wurzeln ableiten. Latein erlaubt es dem Lernenden, sich unserer europäischen Kultur in vielfältiger Hinsicht bewusst zu werden. Der Lateiner kann somit in deutschen oder englischen Texten Stichwörter, Grundbegriffe und Grundgedanken unserer abendländischen Kultur vertieft verstehen, die nach wie vor zu einer umfassenden Allgemeinbildung gehören (z.B. „res publica“ = Republik; humanitas = Humanität, tolerare = tolerieren).
Aus diesem Grund wird auch heute noch an den geisteswissenschaftlichen Fakultäten der Universitäten für manche ihrer Disziplinen (Geschichte, Fremdsprachen, Germanistik etc.) der Nachweis des Latinums gefordert. Dieses wird dem Schüler nach 5 Jahren Pflichtunterricht attestiert, wenn er die 10. Jahrgangsstufe mindestens mit der Note „ausreichend“ im Fach Latein abschließt. An juristischen und medizinischen Fakultäten wird ein „Nachweis von Lateinkenntnissen“ gefordert, der durch die Teilnahme an Terminologiekursen an der Universität erbracht wird. Es leuchtet ein, dass Lateinkenntnisse aus der Schulzeit für den angehenden Studenten auch hier von Vorteil sind.
Schließlich bildet die Beschäftigung mit der lateinischen Sprache eine gute Vorschule für die meisten Berufe, da das Analysieren komplexer Satzstrukturen ebenso wie das Interpretieren antiker Texte mit ihren vielfältigen Problemstellungen, die auch für die Reflexion über unsere Zeit relevant sind, die Fähigkeit zum kritischen Denken schärfen und dadurch die Studierfähigkeit und berufliche Qualifikation allgemein verbessern. In einer Zeit, in der die sprachlichen Fähigkeiten vieler Studierender auf breiter Front dramatisch zurückgehen, ein unschätzbarer strategischer Vorteil!!
Last, but not least: Auch Themen wie Kunst und Ästhetik stehen im Lateinunterricht auf dem Programm und in der Oberstufe orientiert sich die Auswahl der gelesenen Texte unter anderem an deren Brauchbarkeit für die Erörterung ethischer Fragen.
Am Jakob-Fugger-Gymnasium verwenden wir in den Jahrgangsstufen 6 bis 8 das Lehrwerk Campus.
Nach jetzigem Stand sehen Stundentafeln und Schulaufgabenzahlen so aus (Die Anzahl der Jahresstunden entspricht der Zahl der Schulaufgaben):

Gültig für G8:

Jahrgangsstufen

Klasse

6

7

8

9

10

Stunden/Schulaufgaben

4

4

4

3

3

 

 

 

 

 Derzeit unterrichten am JFG fünf Lehrkräfte Latein (alle mit entsprechender Qualifikation, d.h. 1.+2. Staatsexamen oder Promotion); Alle Jahrgangsstufen haben derzeit mindestens zwei Klassen oder kombinierte Gruppen; in der Oberstufe laufen sowohl in Q11 als auch in Q12 Kurse mit Latein als fortgesetzter Fremdsprache als auch als Leitfach für P-Seminar und W-Seminar.

Vivat, crescat, floreat studium linguae Latinae!

K. Wurm, StD (Fachbetreuer)

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