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auengrenze_wohnlager.jpgNach einer einstündigen Busfahrt und einem kurzem Fußmarsch im Schneetreiben kamen wir zum Haupttor des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau. Auf der eisernen Durchgangstür steht dort in großen Buchstaben der Satz: „Arbeit macht frei“. Unser Geschichtslehrer hatte uns zwar erzählt, was uns erwarten würde, aber dennoch waren wir beim ersten Nachdenken über diese Worte schockiert. Am Appellplatz angekommen, warteten wir eine Weile vor einem Denkmal für die Opfer des KZ Dachau auf unseren Besichtigungsleiter, der uns die Gebäude und Merkmale der heutigen Gedenkstätte erklärte.

Allgemeine Fakten zum KZ Dachau
In seinem zwölfjährigen Bestehen waren im KZ Dachau und in zahlreichen Außenlagern über 200.000 Menschen aus ganz Europa inhaftiert, von denen nach dem heutigen Stand der Forschungen etwa 41.500 ermordet wurden. Am 29. April 1945 befreiten amerikanische Truppen die Überlebenden.

Das KZ entstand gleichzeitig mit der Verabschiedung des Ermächtigungsgesetzes im März 1933, durch welches tausende Bürger eingesperrt werden konnten. Schnell waren die regulären Gefängnisse überfüllt und vor allem Heinrich Himmler, der in der Zeit des Nationalsozialismus deutscher Politiker in der NSDAP, Reichsführer-SS, Chef der Deutschen Polizei und zwischen 1943 und 1945 zusätzlich Reichsinnenminister war, griff mit der Einrichtung von Konzentrationslagern eine schon länger bekannte Idee auf. Er machte aus dem Konzentrationslager für politische Gefangene und Reichsfeinde ein zentrales Gefängnis, das mit der Zeit perfektioniert wurde. Schließlich sperrte die NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei) Juden, „Asoziale“, Homosexuelle, Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter, Konservative, Liberale, Monarchisten und andere Menschengruppen, die ihnen nicht passten, ein.
 
Das KZ Dachau
Das Konzentrationslager Dachau existierte vom 22. März 1933 bis zur Befreiung durch US-amerikanische Truppen am 29.April 1945. Es war übrigens das einzige Lager, das in den zwölf Jahren der NS-Herrschaft durchgehend bestand, sich zur Keimzelle für neue KZs entwickelte und daher mehrere Sonderstellungen einnahm. Drei Wochen nach dem Brand des Reichstages am 27. Februar 1933, der von den Nazis als Vorwand zur Verfolgung von politischen Gegnern missbraucht wurde, entstand das Lager Dachau auf dem Gelände der stillgelegten königlichen Pulver- und Munitionsfabrik Dachau. Dies gab Himmler am 21. März 1933 in einer Pressekonferenz bekannt. 1937 wurde ein größeres, neues Häftlingslagergelände gebaut, das teilweise an die ehemalige Munitionsfabrik anschloss. Hierbei wurden unter anderem Holzbauten, ein Wirtschaftsgebäude mit Küche, ein Bunker mit 136 Zellen für Einzelhaft, ein Appellplatz und weitere Gebäude errichtet. Zum Appellplatz ist noch anzumerken, dass alle Häftlinge, die sich im Lager befanden, bei jeder Witterung morgens und abends eine Stunde Appell stehen mussten. Hierbei wurde durchgezählt, ob alle anwesend waren und fehlte einer, so mussten die anderen so lange in dünner Baumwollkleidung Appell stehen, bis der Fehlende gefunden wurde. Einmal konnte ein Häftling nicht gefunden werden und so betrug die Zeit des Strammstehens bis zum Abbruch 19 Stunden. Als der Flüchtende einige Zeit später an einer Grenze entdeckt wurde, mussten die Lagerinsassen des KZ Dachau erneut einen 9 Std. langen Empfangsappell für den Flüchtling stehen, der mit einer Trommel und einem Schild mit der Aufschrift: „Ich bin wieder da“ zwischen den Reihen auf und ab gehen musste. Als er jeden Mithäftling passiert hatte, wurde er drei Tage lang im Bunker unter dem Wirtschaftsgebäude zu Tode gefoltert.
 
Um die Baracken (Wohnunterkünfte der Inhaftierten) näher zu beschreiben, lohnt es sich, zu erwähnen, dass sich die alten Baracken des Munitionsfabrikgeländes von den neuen in der Raumaufteilung und den Außenwänden unterschieden. Im Gegensatz zu den alten Baracken waren die Neuen in einen Wohnraum mit Spinden, Tischen, etc. und in einen Schlafraum mit dreistöckigen Stockbetten, welche eine Liegeplatzunterteilung beinhalteten, eingeteilt. Diese Räume waren auf max. 70 Personen ausgelegt, wurden aber im letzten halben Jahr der Lagerexistenz auf Grund von Inhaftierung evakuierter Häftlinge aus den Ostgebieten für bis zu 500 Insassen benutzt, indem die Liegeplatzunterteilung entfernt wurde. Als auch noch Typhus das KZ heimsuchte, steckten sich unzählige Häftlinge durch das enge Zusammenleben untereinander an, und es kam zum Massensterben. Dies führte im Übrigen auch dazu, dass die meisten SS-Leute zu ihrem eigenen Schutz, die Wohnstätten nicht mehr aufsuchten. Um die enorme Zahl an Leichen wegzuschaffen, wurde 1943 gegenüber dem alten Krematorium ein neues, größeres mit Vernichtungsanlage gebaut. Man nannte es auch Baracke X. Allerdings sind sich Historiker ziemlich sicher, dass diese Massentötungsanlage in Dachau nie in Betrieb genommen wurde. Warum dies so war, weiß man nicht.
 
krematorien.jpgZur Ermordung von Dachau-Häftlingen mit Gas zog es die SS vor, die Häftlinge in die Vernichtungslager wie zum Beispiel ins Konzentrationslager Auschwitz zu deportieren (lat.: deportare; dt.: verschleppen, wegbringen, verbannen). Diese Mordtransporte wurden in der NS-Tarnsprache „Invalidentransporte“ genannt. Die Hinrichtung einzelner Häftlinge, wie Flüchtlinge, Anstifter zu Aufständen, bedeutende Politiker, Mörder von SS-Soldaten, wurde meist in Form von Erhängen oder Erschießen vollzogen. Wie schon erwähnt, fanden Massentötungen in Dachau nicht statt. Allerdings kann nicht ausgeschlossen werden, dass vereinzelte Morde durch Gas stattfanden. Nach einem Brief des Arztes Sigmund Rascher aus dem Jahre 1942 wird vermutet, dass die Gaskammer für medizinische Versuche, zum Beispiel zur Erprobung von Kampfgas an einzelnen Insassen, genutzt wurde.
 
Die Informationen, die wir auf dem Rundgang durch die KZ-Gedenkstätte sammeln konnten, zeigen in erschreckender Weise auf, mit welcher Brutalität in Deutschland schon einmal politische Ziele verfolgt wurden. Damit ist die Gedenkstätte für uns alle eine Warnung, solche Verhältnisse nicht wieder zuzulassen.
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