Menü

Nur sechs Zugstunden über Salzburg trennen einen Augsburger Prä-Abiturienten von der Weltstadt Wien. Am Montag, den 19. September, um 9.45 Uhr ging´s los. Zwanzig Schülerinnen und Schüler des Jakob-Fugger-Gymnasiums in Geleit von Frau Neidlinger und Herrn Högl durften eine Zugfahrt durch wunderbare Landschaft in geräumigen Abteilen genießen. Nach der Ankunft im Hotel wurde die Hausordnung vorgestellt und die Raumverteilung vorgenommen. Abendessen je nach Gusto in der Nähe des Hotels.

Noch am selben Abend saßen wir nach einem Orientierungsspaziergang entlang der historistisch angehauchten Ringstraße und einem wahren Glücksgriff bei den Karten im Volkstheater mit seinen wunderbaren Fresken von Klimt und Makart an den Decken und Wänden des Foyers. Der berühmt-berüchtigte Kabarettist und hervorragende Witzableiter Josef Hader, ausgezeichnet mit dem österreichischen Kleinkunstpreis und dem Salzburger Stier, bot an diesem Abend seinem Publikum bei vollem Haus einen Eindruck seines ganz speziellen Schmähs in einem Soloprogramm dar. Besonders inspiriert wurde dies durch die gerade eingetretene Herbst-Melancholie, vorgetragen in nicht stets jedermann auf Anhieb verständlichem Zungenschlag. Wir erlebten einen sarkastischen Humor, den Poetry-Slammerin Lisa Eckhart zwei Abende später auf einer Kleinkunstbühne in Pentametern und Hexametern melodiös und virtuos zu vertiefen verstand. Goethe hätte sich ihren Prolog im Reim wohl gern gegönnt. Und wenn nicht er - sein Mephisto die Abgründe im Keller (Anspielung auf einen  mysteriösen Kriminalfall in Österreich) allzumal.

Bei der Orientierung half die schnell geschlossene Freundschaft mit der Stadtkarte, das übersichtliche U-Bahnnetz (mit der Station vor der Haustür) und eine lehrreiche Stadtführung am ersten Vormittag gleich nach dem Frühstück. Selbstverständlich wurden bei dieser Stadtführung neben den habsburgischen Hinterlassenschaften wie der Kaisergruft, der Wiener Hofburg, der einzigartigen Hofreitschule mit den Lipizzanern, und der Albertina auch die eleganten Gässchen und die bemerkenswerte Architektur der Altstadt begutachtet - zahlreiche Tipps für die anschließende selbstständige Stadterkundung inklusive.

Am Mittwochvormittag kamen wir um einen gemeinsamen Besuch des Parks Schönbrunn nicht herum. Die Sommerresidenz der Kaiserin Sissi zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe. Man möge dort den Ausblick auf das heutige Wien bewundern und daraufhin den Wandel der Stadt anhand der Kupferstiche aus dem 17. Jahrhundert im Museum Wien begreifen. Wo früher eine Mauer war, ist heute eine gut befahrene Straße. Früher ein Hindernis - heute ein Mittel zur Fortbewegung. - Besser so!

Das imposante Panorama von der Spitze des Stephansdomes hatten wir uns am Vortag schon erstiegen. Ein Must-See in Vienna. Die Wendeltreppe ist nur für Schwindelfreie geeignet - auch nichts für spontan Fußlahme und Hypochonder.

Kulturelle Eindrücke sammelten wir entweder beim gemeinsamen Besuch des Kunsthistorischen Museums, in der Albertina oder - ganz Fugger - im Naturhistorischen Museum. Alternativen waren das Sigmund-Freud-Museum bzw. die Ausstellung von Ai Wei Wei im Haus 21 für Zeitgenössische Kunst. Wer wollte, machte Bekanntschaft mit Gustav Klimt und seinem Originalwerk ‘Der Kuss’ im Gartenpalais Belvedere oder genoss den Wiener Dialekt bei einem Tässchen Melange im Café. Ein weiteres Highlight war das kulinarische Angebot des Naschmarktes, welcher dem ein oder anderem mit einem Falafel und Hummus im Gedächtnis geblieben ist, aber auch eine kleine Tretbootfahrt auf der Alten Donau war zu verzeichnen. Gemeinsame Unternehmungen, der Besuch eines Antiquariats oder ein gemütliches Zusammensein im Rahmen von ein paar Billardrunden in der hauseigenen Lobby am Abend sorgten für die nötige Balance zwischen Individualität und gemeinschaftlichem Aufenthalt.

Die Heimfahrt wurde schließlich am Freitagvormittag angetreten und nur sechs Zugstunden später stand ein Augsburger Prä-Abiturient voller neuer Eindrücke wieder in seiner Stadt und dem Schulende ein wenig näher.

Wie fasste sich Helmut Qualtinger kurz: "Wien bleibt Wien - und das geschieht ihm ganz recht."

Zum Seitenanfang